Die IT-Welt dreht sich schneller denn je. Wer heute noch glaubt, die IT-Abteilung sei nur dafür da, Laptops zu verwalten und Server am Laufen zu halten, hat den Anschluss längst verpasst. In der vierten Folge unseres Platform Stories Podcasts haben wir eine echte Vorreiterin dieses Wandels zu Gast: Saskia Kohlhaas. Saskia ist nicht nur seit über zehn Jahren CIO (und seit 2024 auch CDO) bei IAV, sondern wurde zudem 2025 zur „CIO des Jahres“ gekürt. IAV, die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr, ist ein Engineering Service Provider, der tiefes Ingenieurs-Know-how mit Software, Daten und KI verknüpft. In unserem Gespräch teilt Saskia ehrliche Einblicke, warum IT heute der absolute Motor für Geschäftsmodelle ist, wieso sie als CIO direkt an den CHRO berichtet und warum fehlende Entscheidungen der größte Feind der Produktivität sind.

Hier sind die wichtigsten Takeaways aus einer inspirierenden Podcast-Folge.

Die Evolution der CIO-Rolle: Enabler und Transformator

Für Saskia war schon früh klar: IT ist weit mehr als nur Betriebs-IT. Die Rolle hat sich drastisch gewandelt. Aus klassischen Infrastrukturprojekten heraus wurde die IT zunächst zum Enabler und ist heute, angetrieben durch Krisen, Wettbewerbsdruck und generative KI, der wichtigste Transformator im Unternehmen.

Diese Transformation erfordert vor allem eins: Geschwindigkeit und Mut zur Lücke.
Saskia setzt auf schnelles Entscheiden. Wenn sich eine Entscheidung im Nachhinein als falsch herausstellt, muss man sie eben zügig wieder revidieren. Stillstand oder die Hoffnung, dass einem jemand anderes die Entscheidung abnimmt, funktioniert in der heutigen Zeit nicht mehr.

Ihr Karriere-Tipp für ambitionierte Techies lautet daher auch: Es reicht heute nicht mehr, einfach nur stillschweigend gute Arbeit abzuliefern. Man muss aktiv darüber sprechen und Themen eigenständig vorantreiben.

Die IT-Doppelrolle: Zwischen Cybersecurity und Innovation

Als CIO bewegt sich Saskia täglich auf einem schmalen Grat. Auf der einen Seite steht die absolute Pflicht: Ein sicherer, stabiler Betrieb und eine eiserne Cybersecurity. Auf der anderen Seite ist die IT aber der Treiber der zukünftigen Geschäftsmodelle und Innovationen.

Wie bewältigt man diesen Drahtseilakt in der Praxis? Saskias Quickfire-Antworten auf klassische IT-Strategiefragen liefern klare Leitplanken:

  • Zentralisierung oder Dezentralisierung? Zentrale Plattformen, gepaart mit dezentralen Produktteams.
  • Make or Buy? Commodity wird eingekauft, entwickelt wird dort, wo das Unternehmen einen USP hat. Spannende Ergänzung: Durch die neuen KI-Möglichkeiten könnte in Zukunft jedoch auch Commodity wieder öfter selbst gebaut werden.
  • Der größte Produktivitätskiller? Ständiger Kontextwechsel und keine Entscheidungen.

Kulturwandel: Warum die CIO an den CHRO berichtet

Ein besonders spannendes organisatorisches Detail bei IAV: Saskia berichtet als CIO direkt an den Chief Human Resources Officer (CHRO).

Was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken mag, ist eigentlich extrem konsequent. KI und Technologie transformieren nicht nur Systeme, sondern grundlegend die Art und Weise, wie wir arbeiten. KI wird zunehmend wie ein Mitarbeiter, mit dem wir interagieren. Weitergedacht ist KI das Betriebssystem im Untergrund, das Arbeit orchestriert. Der technologische Wandel und die personelle Transformation der Fähigkeiten (Skills) gehen daher Hand in Hand.

KI als Gamechanger: Der „Wisdom Bot“ und die Zukunft des Codings

Wie bringt man ein ganzes Unternehmen erfolgreich in Berührung mit generativer KI? IAV hat das schon vor drei Jahren mit dem „Wisdom Bot“ gelöst. Dieser generalistische Use Case zielte darauf ab, jedem Mitarbeiter – egal aus welchem Ressort – schnellen Zugang zu Unternehmenswissen zu geben.

Das Geheimnis der extrem hohen Akzeptanz (90 % der Mitarbeiter nutzten die Plattform innerhalb weniger Wochen ): Der Zugang wurde direkt in Microsoft Teams, das tägliche Arbeitsmittel der Mitarbeiter, integriert. Solche Plattform-Entscheidungen, die Silos aufbrechen und Synergien heben, beschleunigen die gesamte Organisation enorm.

Doch was bedeutet KI für die Zukunft der Softwareentwicklung?
Auch hier hat IAV bereits messbare Erfahrungen. Was früher von der Anforderung bis zum Test acht Wochen dauerte, erledigen Coding-Agents heute teilweise in Stunden. Dennoch wird der klassische Software-Engineer nicht obsolet. Die Kernkompetenzen verschieben sich. Zukünftig werden das tiefgreifende Architekturverständnis, das Definieren von Anforderungen (Requirements), die Security und vor allem die Verantwortung für die Freigabe des Codes noch viel wichtiger. Der Mensch orchestriert und managt, anstatt stur Code abzutippen.

Fazit: Führung heißt Rahmen setzen, nicht Mikromanagement

Das Plattform-Zeitalter verlangt nicht nur neue Technologien, sondern auch ein neues Leadership-Verständnis. Saskias Führungsphilosophie fasst das perfekt zusammen: Die Aufgabe des Leaders ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen und die Richtung vorzugeben.

Je autonomer und besser ausgebildet ein Team ist, desto mehr Entscheidungen kann es eigenständig treffen. Nur wenn absolute Risiken (wie Cybersecurity-Issues oder Krisen) drohen, greift Saskia direkt ein. Ansonsten lautet die Devise: Mikromanagement vermeiden , Transparenz schaffen und als Vorbild Veränderungen aktiv vorleben.


Willst du noch tiefer in die strategischen Gedanken einer „CIO des Jahres“ eintauchen? In der vollen Episode sprechen wir außerdem darüber, wie man den ROI von internen Plattformen rechtfertigt und warum Fehler nicht nur erlaubt, sondern wichtig sind.

🎧 Hier geht’s zur vollen Episode des Platform Stories Podcasts!